ME/CFS Awareness

Legends of Arthengard & ME/CFS

Warum dieses Spiel anders entsteht

Dieser Text ist keine Entschuldigung und kein Spendenaufruf. Er ist eine Erklärung.

Was ist ME/CFS?

Myalgische Enzephalomyelitis, kurz ME oder ME/CFS (Chronic Fatigue Syndrome), ist eine schwere neurologische Erkrankung, die weltweit 17 bis 30 Millionen Menschen betrifft. Der Name ist irreführend – es geht nicht um Müdigkeit im alltäglichen Sinne, sondern um eine systemische Erkrankung, die nahezu jeden Bereich des Körpers beeinflusst: das Nervensystem, das Immunsystem, den Energiestoffwechsel und die kognitive Funktion.

Das zentrale und alles bestimmende Symptom ist die sogenannte Post-Exertional Malaise, kurz PEM. Damit ist gemeint, dass selbst geringfügige körperliche oder geistige Belastung – ein Spaziergang, ein längeres Gespräch, eine konzentrierte Arbeitsstunde – zu einer massiven Symptomverschlechterung führen kann, die Stunden, Tage oder Wochen anhält. Dieser Mechanismus ist das, was ME/CFS so fundamental von normaler Erschöpfung unterscheidet: Es hilft nicht, sich anzustrengen und durchzubeißen. Es schadet. Der Körper hat schlicht nicht die Kapazität dafür, und das ist keine Frage der Einstellung.

Dazu kommen kognitive Einschränkungen – das sogenannte „Brain Fog" –, Schmerzen, Schlafstörungen trotz extremer Erschöpfung, Kreislaufprobleme und orthostatische Intoleranz. Von außen sieht man meist nichts davon. Das macht ME/CFS zu einer unsichtbaren Erkrankung, die in Deutschland bis heute chronisch unterfinanziert und selten ernst genommen wird – obwohl die Fallzahlen durch Long Covid in den letzten Jahren deutlich gestiegen sind.

„Stell dir vor, dein Akku lädt nie über 20%. Und selbst das Öffnen einer App entlädt ihn weiter – nicht um ein Prozent, sondern um zehn."

Meine Geschichte

Im Juli 2022 hat sich mein Leben verändert. Ich war damals als Marketing-Freelancer tätig – Strategie, Content, Kampagnen für verschiedene Kunden. Dann kam eine Infektion, und danach wurde vieles anders. Was zunächst wie eine lange Erholung aussah, stellte sich nach Monaten als ME/CFS heraus. Kein Sicherheitsnetz. Keine Erwerbsminderungsrente, die schnell greift. Nur die Frage, was jetzt kommt.

Die Freelancer-Tätigkeit war mit ME/CFS nicht mehr aufrechtzuerhalten. Die Energie, die ich noch habe, ist begrenzt und unberechenbar. Manche Tage laufen gut – ich kann konzentriert arbeiten, Probleme durchdenken, Entscheidungen treffen. Andere Tage existieren eigentlich nicht, weil ich sie kaum wahrnehme. Planbarkeit ist eine Illusion, die ich irgendwann aufgehört habe aufrechtzuerhalten.

Was geblieben ist, ist die Neugier. Und die Fähigkeit, in kurzen Fenstern intensiv zu arbeiten – wenn ich meinen Energiehaushalt respektiere und nicht überschreite. Legends of Arthengard ist in diesem Fenster entstanden. Nicht als großes ambitioniertes Projekt mit Releaseplan und Investor-Deck, sondern als Antwort auf eine einfache Frage: Was kann ich tun, das zu mir passt, mir Sinn gibt und trotzdem realistisch ist?

Warum Legends of Arthengard?

Spieleentwicklung hat mich schon lange interessiert, aber ich hatte nie die Zeit dafür. Mit ME/CFS hat sich das paradoxerweise verändert: Ich habe mehr Zeit – aber weniger Kapazität, sie zu nutzen. Was ich nutzen kann, nutze ich bewusst. Und Legends of Arthengard bietet mir etwas, das kaum ein anderes Arbeitsmodell bietet: vollständige Flexibilität. Ich arbeite, wenn mein Körper es zulässt. Nicht weil jemand wartet, sondern weil ich selbst voranwill.

Das Spielprinzip ist dabei kein Zufall. Ein kooperatives Idle-MMORPG, bei dem die Community aktiv mitspielen kann, während der Streamer koordiniert und Entscheidungen trifft – das ist auch deshalb entstanden, weil ich verstehe, wie es ist, nicht dauerhaft vollständig dabei sein zu können. Das Spiel respektiert die Zeit aller Beteiligten. Aktionen laufen im Hintergrund, Zuschauer können in ihrem Tempo mitspielen, und Streamer müssen nicht jede Minute aktiv sein. Was ich für mich selbst als notwendig erlebe, habe ich als Designprinzip ins Spiel gebracht.

Das ist kein Marketing-Statement. Das ist einfach, wie es passiert ist.

Was das für die Entwicklung bedeutet

Legends of Arthengard wird langsamer entwickelt als ein Studio es täte. Das ist keine Ausrede, sondern eine Tatsache, die ich offen kommunizieren will. Wenn ich zwei Wochen nichts von mir hören lasse, liegt das meistens nicht daran, dass das Projekt eingeschlafen ist – sondern daran, dass mein Körper gerade keine Kapazität lässt. Ich habe gelernt, das zu akzeptieren, statt dagegen anzuarbeiten. Denn dagegen anzuarbeiten hat einen Preis, den ich nicht zahlen kann.

Was ich dafür anbiete, ist Transparenz. Im Discord-Server kommuniziere ich, wenn es länger still ist und warum. Updates kommen ohne festen Rhythmus, aber sie kommen. Die Community, die sich bisher um das Spiel gebildet hat, weiß das und reagiert darauf mit mehr Verständnis, als ich je erwartet hätte. Das macht einen Unterschied.

ME/CFS Awareness

Die blaue Schleife

Die blaue Schleife, die du im Logo von Legends of Arthengard findest, ist das Symbol der ME/CFS-Bewegung – ähnlich wie die rosafarbene Schleife für Brustkrebs. Ich trage sie nicht als Designentscheidung, sondern weil mir Sichtbarkeit für diese Erkrankung wichtig ist. ME/CFS ist in Deutschland weitgehend unbekannt, obwohl die Betroffenenzahlen erheblich sind. Wenn dieses Spiel auch nur dazu beiträgt, dass mehr Menschen den Namen kennen und wissen, was dahintersteckt, dann ist das für mich ein eigenständiger Wert, der nichts mit dem Spiel selbst zu tun haben muss.

Ich will kein Mitleid. Aber ich will, dass du weißt, warum dieses Spiel so entsteht, wie es entsteht – und dass das, was manchmal wie eine Schwäche aussieht, für mich das Gegenteil ist.