Chapter 11 of 11

Chapter 11 - Trip to the forest

IssacDJacksJuly 31, 2026

Cerena führt den Trupp über den Marktplatz und durch das Stadttor. Im Rücken spürt sie den nachlassende Hitze des Lagerfeuers, an dem Nara allein zurückbleibt. Sie schaut nicht zurück.
Auf der Wiese geht die Gruppe in Formation. Die Schleime, die tagsüber als blaue Punkte im Gras pulsieren, sind in der Dunkelheit kaum zu sehen, aber Cerena kennt den Weg vom Nachmittag und führt die Gardisten in einem weiten Bogen um die Stellen herum, an denen sie die Gruppen vermutet.
Der Waldrand verschluckt sie. Unter den Bäumen ist die Dunkelheit fast vollständig und das Mondlicht dringt kaum durch die dichten Kronen. Der Boden unter ihren Füßen ist weich und feucht und jeder Schritt muss bedacht gesetzt werden. Cerena gibt per Handzeichen die Richtung vor und die Gardisten folgen in einer lockeren Reihe, jeder den Vordermann im Blick. Niemand spricht, die einzigen Geräusche sind das leise Rascheln ihrer Kleidung und das gelegentliche Knacken eines Astes unter einem Stiefel.
Nach etwa zehn Minuten sieht Cerena einen leichten Feuerschein zwischen den Bäumen. Sie hebt die Faust und alle bleiben stehen. Dann flüstert sie Aldric die ersten Anweisungen zu und schleicht sich allein ein Stück weiter vor, von Baum zu Baum, bis sie die Lichtung überblicken kann.
Das Goblin-Dorf sieht genauso aus wie am Tag. Zwölf primitive Hütten stehen im Kreis um ein großes Lagerfeuer, das langsam herunterbrennt. Die Glut wirft ein ungleichmäßiges Licht über die Lichtung und die Schatten der Hütten tanzen auf dem Waldboden. Vier Goblins sind wach. Zwei hocken am Feuer und starren in die Glut, ab und zu stößt einer von ihnen ein kehliges Grunzen aus, das der andere mit einem ähnlichen Laut erwidert. Die anderen beiden patrouillieren am Rand der Lichtung, wenn man das Wort patrouillieren großzügig auslegt. Sie schlurfen lustlos hin und her, bleiben stehen, kratzen sich, gehen weiter und bleiben wieder stehen.
In der Mitte des Lagers steht eine größere Hütte, breiter und stabiler gebaut als die anderen. Davor sitzt eine Gestalt, die Cerenas volle Aufmerksamkeit auf sich zieht. Ein Goblin, aber größer, so groß wie ein erwachsener Mensch. Seine Arme sind dicker als die Oberschenkel der normalen Goblins und sein Schädel ist breiter, mit einem vorstehenden Unterkiefer, der selbst im Schlaf bedrohlich wirkt. Er sitzt mit dem Rücken an die Hütte gelehnt, die Augen halb geschlossen, eine grobe Keule quer über den Knien.
Cerena prägt sich die Positionen ein und kehrt zur Gruppe zurück. Sie teilt den Trupp flüsternd auf. Aldric nickt und führt seine Hälfte in einem weiten Bogen um die Lichtung herum, bis sie auf der gegenüberliegenden Seite in Stellung sind. Der Wald gibt Deckung auf drei Seiten und auf der vierten Seite fällt das Gelände steil ab. Die Goblins haben keinen Rückzugsweg.
Cerena wartet. Sie beobachtet die beiden patrouillierenden Goblins, wie sie ihre Runden drehen. Der eine bleibt alle paar Meter stehen und der andere läuft ihm hinterher. Dann drehen beide um und schlurfen in die andere Richtung. Es dauert mehrere Minuten, bis sie beide gleichzeitig auf Cerenas Seite der Lichtung stehen, weit genug vom Feuer entfernt, dass die beiden hockenden Goblins sie nicht sofort sehen werden.
Cerena hebt die Hand.
Die erste Salve kommt von beiden Seiten gleichzeitig. Jeweils zwei Schützen pro Wache, alle zielen auf die Körpermitte. Die beiden patrouillierenden Goblins gehen nieder, bevor sie einen Laut von sich geben können. Im selben Moment treffen zwei Pfeile die Goblins am Feuer, einer kippt vornüber in die Glut und der andere sackt zur Seite. Kein Schrei, kein Alarm, nur das leise Zischen der Pfeile und das dumpfe Aufschlagen der Körper.
Cerena richtet den Blick auf den Hobgoblin. Er sitzt noch immer an der Hütte, aber irgendetwas hat sich verändert. Seine Augen sind offen. Er dreht den Kopf langsam, als würde er die Stille registrieren, die plötzlich dort herrscht, wo gerade noch Geräusche gewesen sind. Sein Griff um die Keule wird fester.
Cerena deutet hektisch auf den großen Goblin.
Alle verfügbaren Bögen richten sich auf den Goblin. Er kommt gerade auf die Beine, als die erste Salve ihn trifft, drei Pfeile in Brust und Schulter. Er taumelt zurück gegen die Hütte und sein Mund öffnet sich, aber bevor ein Laut herauskommen kann, trifft die zweite Salve. Zwei weitere Pfeile bohren sich in seinen Brustkorb und er geht auf die Knie. Für einen Moment sieht es so aus, als wolle er sich noch einmal aufrichten. Dann kippt er nach vorne und schlägt auf den Boden. Die Keule rollt zur Seite.
Cerena wartet und zählt in ihrem Kopf. Zehn Sekunden, Zwanzig, Dreißig, dann atmet sie erleichtert aus. Aus den Hütten dringt nichts als das Geräusch von Schlaf, leises Schnarchen und das Rascheln von Körpern, die sich drehen.
Sie gibt das Zeichen für die dritte Phase. Jeweils ein Gardist pro Hütte, Nahkampf, lautlos. Cerena nimmt sich die große Hütte selbst vor. Sie zieht ihr Schwert, tritt durch den niedrigen Eingang und lässt die Augen sich an die Dunkelheit gewöhnen. Zwei Goblins liegen auf dem Boden, zusammengerollt auf Strohmatten. Sie erledigt beide, bevor der zweite sich umdrehen kann.
Die Gardisten arbeiten sich durch das Lager und die meisten Goblins sterben im Schlaf, ohne je zu erfahren, was passiert ist. Hütte für Hütte, schnell und leise. Cerena steht in der Mitte der Lichtung und beobachtet den Fortschritt, als aus einer der hinteren Hütten ein Krachen ertönt. Ein Gardist ist im Dunkeln über irgendetwas gestolpert, ein Knochen oder ein Werkzeug, und die dünne Wand der Hütte bricht unter seinem Gewicht zusammen. Für einen Moment ist es still. Dann stößt ein Goblin in der Nachbarhütte einen durchdringenden Schrei aus, der über die Lichtung hallt.
Sechs Goblins stürmen aus zwei der verbliebenen Hütten. Sie sind verschlafen und desorientiert, die Augen zusammengekniffen gegen das Licht des Lagerfeuers. Keiner von ihnen trägt eine Waffe und sie stolpern auf die offene Lichtung, wo es keine Deckung gibt.
Die vier Gardisten in Reserve stehen bereit und die Bögen sind gespannt. Die Salve kommt schnell und präzise und die sechs Goblins gehen nieder, bevor sie den Waldrand erreichen können.
Dann ist es still.
Cerena steht in der Mitte der Lichtung und wartet. Eine Minute vergeht und nichts rührt sich, kein Geräusch aus den Hütten, kein Rascheln aus dem Wald. Sie gibt ein Zeichen, alles nochmal zu durchsuchen.
Als klar ist, dass alles erledigt ist, bricht der Jubel aus. Die Gardisten fallen sich in die Arme und klopfen sich auf die Schultern. Der Gardist, der gestolpert war, humpelt über die Lichtung, den Fuß offensichtlich verstaucht, und lässt sich auf einen Baumstumpf fallen.
Die Gardisten aus dem Stadterkundungstrupp fangen als erste an, sich die Manakristalle aus den toten Goblins zu schneiden. Die anderen schauen einen Moment zu und machen es dann nach. Cerena schüttelt kurz den Kopf, aber sie lässt sie gewähren. Naras Idee mit dem Wettbewerb hat offenbar Wurzeln geschlagen.
Cerena durchsucht die große Hütte gründlich, während die Gardisten draußen ihre Kristalle einsammeln. Das Innere ist spärlich, Strohmatten auf dem Boden, ein paar Knochen in einer Ecke, ein Haufen Felle, die nach nassem Hund riechen. Dann fällt ihr etwas ins Auge. Unter einer der Matten liegt ein Stein, etwa so groß wie ihre Faust, braun und glatt. Sie hebt ihn auf und dreht ihn im schwachen Licht des Lagerfeuers, das durch den Eingang fällt. Auf einer Seite ist eine Rune eingraviert, die schwach rot leuchtet. Die Gravur ist sauber und präzise und sie passt nicht zu dem Rest dieser primitiven Behausung. Cerena kennt die Rune nicht und sie hat keine Ahnung, was der Stein bedeutet. Aber etwas, das leuchtet und in der Hütte des Anführers versteckt liegt, ist es wert, mitgenommen zu werden. Sie steckt den Stein in ihre Tasche.
Draußen auf der Lichtung wird das Lagerfeuer wieder entfacht. Die Gardisten reißen die Hütten ein und werfen Äste, Stroh und alles was brennt auf den Haufen. Die Goblinleichen folgen, eine nach der anderen. Das Feuer wächst und die Hitze treibt die Gruppe an den Rand der Lichtung zurück. Der Rauch steigt dick und schwarz zwischen den Bäumen auf und der Geruch ist bestialisch, aber niemand beschwert sich.
Der Trupp macht sich auf den Rückweg, als das Feuer heruntergebrannt ist. Die Stimmung ist gut und zwischen den Bäumen wird leise geredet, wer wen zuerst gesehen hat und wer den besten Schuss hatte. Der verletzte Gardist wird von zwei Kameraden gestützt und flucht leise bei jedem Schritt über seinen Fuß, was die anderen zum Grinsen bringt.
Als sie den Waldrand erreichen, sehen sie die Stadt vor sich im frühen Morgenlicht liegen. Die Mauer zeichnet sich als dunkle Linie gegen den heller werdenden Himmel ab und auf dem Mauerabschnitt neben dem Stadttor steht eine Gestalt, die winkt.
Cerena muss nicht näher hinsehen, um zu wissen, wer dort steht. Kleine Statur, schwarzes Haar, das im Wind fliegt und das sie sich vermutlich gerade zum hundertsten Mal aus dem Gesicht streicht.
Die Gruppe erreicht den Marktplatz und die Gardisten lassen sich auf die Stühle und Bänke fallen, die vom Abendessen noch draußen stehen. Die Erschöpfung kommt jetzt, nachdem das Adrenalin nachlässt, und manche lehnen sich einfach zurück und schließen die Augen, das Schwert noch an der Hüfte. Der verletzte Gardist lässt sich auf eine Bank fallen und legt den verstauchten Fuß hoch.
Nara kommt über den Platz und Cerena tritt ihr entgegen. Bevor Cerena etwas sagen kann, schlingt Nara die Arme um sie und drückt sie kurz an sich. Dann lässt sie los und tritt einen Schritt zurück.
“Danke, dass du sie alle lebend zurückgebracht hast”, sagt Nara.
“Garreth hat sich den Fuß verstaucht”, sagt Cerena.
“Garreth lebt. Das zählt.”
Cerena nickt und will zum Bericht ansetzen, zu den Zahlen, zu dem Stein in ihrer Tasche, aber Nara nimmt sie am Arm und zieht sie ein Stück vom Marktplatz weg, bis sie außer Hörweite der Gardisten stehen. Dann schaut sie Cerena mit einem Ausdruck an, der sie innehalten lässt.
“Ich habe eine Entscheidung getroffen”, sagt Nara.

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